Donnerstag, 23. Oktober 2014

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Schöner Wein

Foto-9

Wein: Pinot Meunier Rosé trocken

Weingut: Wambsganss, Landau-Nussdorf

Jahrgang: 2013

Alkoholgehalt: 11,5 % Vol.

Preis: 5,50 Euro (ab Weingut)

Internet: www.eugen-wambsganss.de

Geschrieben von Kellermeister

„Heute Abend mache ich mir eine schöne Flasche Wein auf“ – Sätze wie diese führen unter Weinbloggern und Weinjournalisten immer wieder zu Diskussionen. Ist es zulässig oder gar sinnvoll, einen Wein als „schön“ zu bezeichnen, der einem gut schmeckt? Und das auch zu schreiben? Ich denke schon, benutze dieses Adjektiv aber eigentlich nicht, wenn es um Wein geht. Bis vor Kurzem war das jedenfalls so. Denn als ich mir den 2013er Rosé des Weinguts Eugen Wambsganß aus Landau-Nussdorf eingeschenkt hatte, war meine erste Reaktion: ein schöner Wein. Dabei hatte ich weder daran gerochen noch davon getrunken. Die Farbe im Glas, das Abendlicht, das den Wein in einem kräftigen orange-braun im Glas schimmern ließ, haben diese verpönte Formulierung geradezu herausgefordert. Na ja, war bis auf meine Frau auch niemand da. Aber jetzt steht’s sowieso im Internet: Einfach ein schöner Wein.

Für ihren Rosé haben die Estelmanns – so heißt die Familie, die hinter dem Weingut mit der Gans im Logo steht – nicht wie viele Pfälzer Kollegen Portugieser, sondern Schwarzriesling (Pinot Meunier) verwendet. Daher stammt auch die ungewöhnlich-schöne Farbe im Glas. Der Schwarzriesling ist eine eher unprätentiöse Rebsorte und vor allem in Württemberg verbreitet, aber auch in der Pfalz gibt es Winzer, die sehr guten roten Schwarzriesling machen wie etwa das Bad Dürkheimer Weingut Darting.

In der Nase verrät der Rosé noch nicht allzu viel: ein wenig Orangenmarmelade, ein bisschen Pfeffer. Im Mund dann wieder Orangenmarmelade, dazu Walderdbeeren und etwas rote Johannisbeere. Sehr trinkfreudig und trotzdem nicht platt. Ein Wein, den man auch im Oktober trinken kann – selbst wenn die Tage nicht so warm sind wie am vergangenen Wochenende.

A propos vermeintlicher Sommerwein: Dass der Spruch „Riesling is Riesling is Unsinn“ stimmt, hat sich einmal mehr gezeigt, als ich den Kabinett-Riesling von Christian Estelmann aufgemacht habe, den ich bereits im vergangenen Jahr sehr gut fand. Der 2013er (6,20 Euro ab Hof) ist bemerkenswert anders. In der Nase Aromen, die mich zuerst eher an einen Sauvignon Blanc denken lassen: Stachelbeere und Rhabarber, im Mund dann aber die riesling-typischeren Zitrusnoten. Trotz des sehr moderaten Alkoholgehalts von 11 % Vol. hat der Wein eine gute Länge.

Rosé und Riesling des Weinguts Wambsganss zeigen, dass es in der Pfalz nach wie vor klasse Qualität und mitunter sogar außergewöhnliches zu sehr fairen Preisen gibt.

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