Der Vater aller Rieslinge

Der Vater aller Rieslinge: der Heunisch. (Foto: Herrenbergerhof)
Viele Rebsorten stammen vom Heunisch ab. (Foto: Herrenbergerhof/Privat)

Geschrieben von Mundschenk

Bis ins 19. Jahrhundert gehörte der Heunisch zu den wichtigsten Rebsorten in Mitteleuropa. Doch heute ist er in Vergessenheit geraten. Weder beim Winzer um die Ecke noch beim Weinhändler bekommt man ohne Weiteres eine Flasche dieser Rebsorte. Dies liegt vielleicht an Geschmacksbeschreibungen wie dieser: „extraktarm und säurereich“. Dabei ist der Heunisch der Vater von einigen heute sehr wichtigen Rebsorten wie Riesling, Chardonnay oder Blaufränkisch. Das macht ihn zu einer der Urrebsorten mit großem Einfluss auf die Weinwelt.
Der Heunisch hatte seinen Ursprung im ungarischen Raum und wurde wohl schon vor mehr als 1000 Jahren in Deutschland angebaut. Da er anspruchslos im Anbau ist, einen hohen Ertrag liefert und sich mit dem späten Austrieb recht sicher gegen Spätfröste zeigte, war er über Jahrhunderte sehr beliebt. Er fand früher auch in der Schweiz und Frankreich großen Anklang, ist aber im Lauf des 20. Jahrhunderts nahezu komplett von der Bildfläche verschwunden. Bis man – Anfang unseres Jahrtausends – in der Nähe von Heidelberg wieder einige Heunisch-Rebstöcke entdeckte. Damals eine kleine Sensation, da die Rebsorte seit vielen Jahrzehnte als ausgestorben galt. Mit Hilfe der gefundenen Stöcke konnten umfangreiche Analysen erstellt und die Bedeutung des Heunisch als Elternteil von mehr als 70 Rebsorten bestätigt werden.
In der Pfalz baut das Weingut „Herrenbergerhof“ Heunisch aus. Seit einigen Jahren testet Oliver Hüther den Anbau und hat mit dem 2013er den zweiten Jahrgang auf der Flasche.

Baut Heunisch aus: Oliver Hüther.
Oliver Hüther bei der Arbeit. (Foto: Herrenbergerhof / Privat)

Nach dem Öffnen darf man sich nicht vom ersten Geruch schrecken lassen. Frisch offen ist der Wein etwas streng in der Nase. Das legt sich aber, nachdem die Flasche mehrere Stunden beziehungsweise ein oder zwei Tage geöffnet ist. Auf der Zunge wirkt er zuerst leicht metallisch und entfaltet dann einen Geschmack, der an Birne mit Gorgonzola erinnert. Auch hier wird der Wein nach zwei Tagen wesentlich gefälliger und „birniger“. Die Säure ist immer merklich, aber nicht dominant. Der Abgang zeigt eine leichte Zitrusfrucht. Zusammenfassend kein Wein für den schnellen Genuss, sondern für den Weinfreund, der viel Zeit mitbringt und mal was ganz anderes sucht. Wein und Rebsorte werden heute sicher nicht mehr massentauglich werden, aber als besonderes Unikat hat der Heunisch zweifelsohne seine Berechtigung.

Wein: Birkweiler Kastanienbusch (Weißer) Heunisch; Weingut: Herrenbergerhof, Birkweiler; Jahrgang: 2013; Alkoholgehalt: 11,5 % Vol.; Preis: 15 Euro; Internet: www.herrenbergerhof.de

Dieser Artikel ist ähnlicher Form im Genuss-Magazin VielPfalz (Ausgabe April 2017) erschienen.

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