Kleine Fässer, große Weine

Barrique Forum zu Gast in Deidesheim.
Gut besucht: die Präsentation der Großen Weine des Barrique Forums Pfalz.

63 Weine haben die Winzer des Barrique Forums Pfalz für die 2017er Kollektion angestellt, 23 wurden jetzt als Große Weine im Schmieders Deidesheim präsentiert. Der Auswahlprozess hat mehrere Stufen: Weinbergsbegehung, Fassprobe und abschließende Blindprobe. Ausgewählt wurden die Weine von allen 27 Winzern des Barrique Forums. Auffällig: Dieses Mal ist kein Cabernet Sauvignon dabei. Die Spätburgunder sind klar in der Überzahl. Wir haben uns bei der Präsentation umgesehen. Hier einige Eindrücke, wobei wir nicht alle Weine probieren konnten.
Einen wunderbar fruchtbetonten Pinot Noir hatte das Hambacher Weingut Naegele mit seinem“Feuer“ dabei. Die Holznote in dem Wein ist absichtlich dezent gehalten, ausgebaut wurde in Barriques in Erst-, Zweit- und Drittbelegung. Herausgekommen ist ein ungemein runder Spätburgunder, der besonders den Freunden fruchtbetonter Pinots gefallen dürfte (Jahrgang 2015, 12,50 Euro). Der Name spielt dabei auf die frühere Einzellage „Feuer“ an, die heute zum Hambacher Schlossberg gehört. Deutlich kräftiger und holzbetonter geht es beim 2015er Kairos (20 Euro) zu, dem zweiten Großen Wein aus dem Hause Naegele. Dieser Pinot wurde ausschließlich in neuen Barriques ausgebaut, die Trauben stammen aus verschiedenen Hambacher Lagen.

Bleistift und Flyer.
Viel zu notieren gab es bei der Präsentation der Großen Weine.

Sehr kräftig und noch etwas ungestüm, aber mit erkennbar großem Potenzial kommt der 2014er Spätburgunder „Sebastian“ des Weinguts Holz-Weisbrodt aus Weisenheim am Berg daher. Die Trauben dafür stammen aus der Ungsteiner Spitzenlage Herrenberg, die mir bislang vor allem wegen der Rieslinge ein Begriff war. Eine echte Entdeckung war für mich der 2015er Pinot Noir aus der St. Martiner Lage Baron des Aloisiushofs. Auch hier stimmt bereits die Balance zwischen Frucht, Gerbstoffen und Holzeinsatz, ausgebaut wurde in Barriques aus französischer Eiche in Erst- und Zweitbelegung (18,50 ab Hof). In die Rubrik Entdeckung fällt auch der Spätburgunder des Weinguts Mussler aus der Lage Goldberg, mit dem die Bissersheimer erneut ihr Händchen fürs Holz zeigen. Gleiches gilt auch für das Mußbacher Weingut Weik, das mit den Pinots der Lagen Gimmeldinger Biengarten (2014) und Am Rothenstein (2013) zwei Pinots zur Kollektion der Großen Weine beisteuert. Der Rothenstein ist vielleicht einen Tick eleganter, der Biengarten überzeugt dagegen mit schöner Pinot-Frucht (Cassis). Beide haben mit 14,50 Euro ab Hof ein feines Preis-Genuss-Verhältnis.

Schmieders.
Stilvolles Ambiente: der Hof des Schmieders in Deidesheim. (Foto: pwb)

Bei den „Exoten“, die in der Pfalz längst keine Exoten mehr sind, haben wir mit dem Syrah des Weinguts Thorsten Krieger aus Rhodt eine weitere Entdeckung gemacht. Bereits jetzt zeigt sich der 2015er zwar kraftvoll, aber schon ungewöhnlich geschmeidig. Da kommt noch was!

Cuvées aus dem Barrique mit Esprit

Bei den Cuvées nach Bordeaux-Art einmal mehr sehr gelungen ist der „55“ des Hochstadter Weinguts Stern (2014, 28,80 Euro ab Hof). Die 55 steht dabei für den engen Pflanzabstand der Reben in Zentimetern, die Cuvée aus Merlot und Cabernet Sauvignon zeigt eine schöne Kombination von Röstaromen und Noten, die an dunkle Beeren und Schokolade erinnern. Eine Cuvée mit viel Esprit ist der Ericius (Jahrgang: 2015, 25 Euro ab Hof) des Weinguts Stachel aus Maikammer. Hier wurden Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah und Malbec verschnitten, alles andere als eine gewöhnliche Mischung. Für das gewisse etwas sorgt der Malbec, den Seniorchef bei einer Bergsteiger-Tour durch Argentinien für sich und für die Pfalz entdeckt hat. Probieren durften wir ihn bei der Präsentation des Barriqueforums im BASF-Gesellschaftshaus im Oktober. Wow. (pwb)

Die großen Weine des Barrique Forums Pfalz 2017 im Überblick:
Cuvée XXL, 2015, Weingut Kirchner (Freinsheim)
Merlot Ausspann, 2013, Weingut Wegner (Bad Dürkheim)
Merlot St. Stephan, 2015, Weingut Michael Schroth (Asselheim)
Spätburgunder Asselheimer Goldberg, 2015, Weingut Michael Schroth (Asselheim)
Spätburgunder Sebastian, Ungsteiner Herrenberg, 2014, Weingut Holz-Weisbrodt (Weisenheim am Berg)
Pinot Noir Geisberg, 2015, Weingut Wageck (Bissersheim)
Spätburgunder Sonnenberg, 2015, Weingut Jülg (Schweigen-Rechtenbach)
Spätburgunder Réserve, 2015, Weingut Jülg (Schweigen-Rechtenbach)
Cuvée Die Gebrüder, 2015, Weingut Jülg (Schweigen-Rechtenbach)
Syrah Rhodter Klosterpfad, 2015, Weingut Stefan Meyer (Rhodt)
Spätburgunder Edenkobener Schwarzer Letten, 2015, Weingut Stefan Meyer (Rhodt)
Pinot Noir, St. Martin Baron, 2015, Aloisiushof (St. Martin)
Spätburgunder, Bissersheimer Goldberg, 2015, Weingut Mussler (Bissersheim)
Spätburgunder Kairos, 2015, Weingut Georg Naegele (Hambach)
Spätburgunder Feuer, 2015, Weingut Georg Naegele (Hambach)
Cuvée 55, 2014, Weingut Stern (Hochstadt)
Syrah Rhodter Rosengarten, 2015, Weingut Krieger (Rhodt)
Syrah Maikammer Heiligenberg, 2015, Weingut Erich Stachel (Maikammer)
Merlot Maiammer Kirchenstück, 2015, Weingut Erich Stachel (Maikammer)
Cuvée Ericius, 2015, Weingut Erich Stachel (Maikammer)
Pinot Noir, Gimmeldinger Biengarten, 2014, Weingut Weik (Mußbach)
Pinot Noir, Mußbacher Am Rothenstein, 2014, Weingut Weik (Mußbach)

2 comments:

Schöner Bericht, eines guten Abends, lieber Alexander! Und schön, dass wir uns mal wieder gesehen haben. Es waren wirklich wunderbare Weine dabei, ich werde einige auch bei mir unter „Weinempfehlungen“ bringen. Lieben Gruß & Cheers, Heike

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