Herzpeffer trifft Krone: Gewinner ist die Pfalz

Die Pfälzische Weinkönigin Anna-Maria Löffler und Florian Werner besprachen fünf Weine und einen Sekt.

Von Alexander Sperk

Weinproben oder Gruppen-Verkostungen sind in Corona-Zeiten in der echten Welt tabu – online aber haben sie Hochkonjunktur. Und so organisierte der Pfalzwein e.V. am Maifeiertag eine besondere Verkostung mit der amtierenden Pfälzischen Weinkönigin Anna-Maria Löffler und Florian Werner, der im Podcast Herzpeffer als Pälzer über den Tellerrand hinausblickt – und natürlich bei einem Weingut in der Pfalz arbeitet. Um die 100 User verfolgten den amüsanten Abend mit den beiden Weinkennern via Youtube.

Gute Laune, tolle Weine aus der Pfalz

Gute Laune, Pfälzer Lebensart, viel Wissenswertes rund um den Wein und natürlich fünf top Weine und ein Sekt waren inbegriffen. Den Auftakt machte der Rieslingsekt Brut 2016 vom Wilhelmshof Siebeldingen. Anna-Maria Löffler hatte den Schaumwein von einem der ersten Adressen für Sekt in der Pfalz ausgewählt – und bekam dafür viel Lob von der Community. Nicht nur wegen der “unglaublichen Zitrusfrucht” in der Nase geriet Löffler bei der Verkostung ins Schwärmen. Schaumwein von Weltklasse-Format gibt es nicht nur im nahen Frankreich – da waren sich Anna-Maria und Florian einig. Ob Riesling und Sekt wegen der Säure überhaupt eine gute Kombination sei, wollte jemand aus der Community über den Youtube-Chat wissen. Aber natürlich – so die Antwort der Experten. Schließlich gehe es bei einem Sekt auch darum, durch die Säure Appetit anzuregen, auf das, was nach dem Aperitif kommt.

Im Falle der Online-Verkostung war das ein sehr cremiger Riesling des Gimmeldinger Weinguts Christmann. Florian Werner hatte den Ruppertsberger Riesling des VDP-Betriebs für die Probe nominiert. “Einfach nur Terroir”, schwärmte er. Der 2018er Riesling stammt aus einer jüngeren Anlage im Ruppertsberger Reiterpfad und dem Ruppertsberger Nussbien. Im Mund wirkt er unglaublich geschmeidig und angenehm. Die Fruchtnoten erinnern an reife Pfirsiche und Aprikosen. Bei einer Frage waren sich die Experten uneinig: Holz oder kein Holz? Die Antwort gab die Winzerin persönlich via Whatsapp: Sophie Christmann bestätigte Anna-Maria Löffler, die Holz herausgeschmeckt hatte. Die Pfälzische Weinkönigin hatte auch den auch den nächsten Wein ausgewählt, in den sie sich bei einer Blindverkostung “verliebt” hatte: einen 2019er Sauvignon Blanc des Weinguts Scholler aus Birkweiler. Er verblüffte mit fantastischen Maracuja-Noten in der Nase und einer schönen Frische im Mund.

Vor dem Tasting: die Flaschen stehen bereit.

„Battle“ im Paradiesgarten

Kern der Verkostung war das “Battle” zwischen zwei Rieslingen aus der Deidesheimer Toplage Paradiesgarten: In der einen Ecke ein eleganter Wein aus dem Hause von Winning (Deidesheim) des Jahrgangs 2018. In der anderen Ecke ein Riesling desselben Jahrgangs des Deidesheimer Bio-Weinguts Mehling. Der Winning-Wein wurde selbstverständlich im Holz ausgebaut, in diesem Fall einem 500-Liter-Tonneau aus französischer Eiche. Dort erhält der Riesling seinen Schliff, wie Anna-Maria Löffler erzählte. Und geschliffen ist dieser Wein: elegant, vielschichtig, cremig – solche Attribute drängen sich auf. Deutlich wilder und urtümlicher dagegen der Mehling-Riesling: ein bisschen Salz, ein bisschen mehr Pfirsich, lebendige Säure. Ein “straighter” Pfälzer Mittelhaardt-Riesling. Jeder der beiden Kontrahenten hatte einen Experten auf seiner Seite: Anna-Maria war bei von Winning, Florian geriet beim Mehling ins Schwärmen. Auch in der Community hatten beide Weine ihre Fans.

Plädoyer für Reife

Zum Abschluss hatte Florian Werner dann noch ein echtes Schmankerl dabei, das die ganze Faszination des Themas Wein zeigt: einen gereiften  Weißburgunder seines Arbeitgebers, des Weinguts Münzberg (Godramstein), aus der Lage Schlangenpfiff. Der Pinot begeisterte mit satten Aromen, die an Rosinen, Nüsse und Zitrus erinnern, getragen durch eine feine Säure. Das Große Gewächs des Jahrgangs 2013 zeigt, wie spannend es ist, den Weinen Zeit zur Reife zu geben. Gerade bei Großen Gewächsen ist das meist eine sehr lohnende Erfahrung.

Blieben noch zwei Fragen zu klären: Zum einen die nach dem Namen der Lage. Dieser komme daher, dass dort früher Terrassen angelegt waren, die allerlei Reptilien anlockten – unter anderem eben Schlangen, die sich dort der Legende nach so wohl fühlten, dass sie pfiffen. So berichtete es Florian Werner. Die zweite Frage war ebenfalls schnell geklärt: die nach dem Gewinner der Verkostung: die Pfalz. Da waren sich Anna-Maria, Florian und die Community einig

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