Auf einen Riesling mit …

Auf einen Riesling mit … Tristan Brandt

Tristan Brandt hat es innerhalb von nur drei Jahren in den Koch-Olymp geschafft. 2014 hat er ein Jahr nach der Eröffnung des OPUS V in Mannheim den ersten Michelin Stern erhalten. Bereits im Dezember 2016 ist dann der zweite Stern dazugekommen. Er ist neben seiner Tätigkeit als Küchenchef auch Geschäftsführer der gesamten engelhorn Gastronomie. Kurz vor Beginn des Abendservice konnten wir ihn – bei einem Riesling vom Weingut Buhl – sprechen.

Tristan Brandt vom OPUS V in Mannheim.
Weinaffiner Spitzenkoch: Tristan Brandt. (Foto: Privat)

Auf dem Pfälzer Weinblog schildern wir häufig Erlebnisse rund um das Thema Wein. Fällt Dir so ein „Wein-Moment“ ein, an den Du gerne zurückdenkst?

Mit acht Jahren hatte ich beim Besuch meiner Tante in Bad Dürkheim schon realisiert, dass Wein etwas Besonderes ist. Ich sah die vielen Reben und lernte, dass daraus der Wein entsteht. Die genauen Prozesse waren mir zwar nicht klar, aber ich wusste, dass hier etwas Köstliches entsteht. Als Jugendlicher fand ich das erste Bier extrem bitter. So wurde ich dann eher vom Wein geprägt. Hier jedoch der Wein von der Nahe, wo ich aufgewachsen bin.

Als Spitzenkoch hast du ja unzählige Weine getrunken, was macht für Dich einen guten Wein aus?

Das ist eigentlich recht einfach zu beantworten. Der Geschmack natürlich. Wenn mir ein Wein schmeckt, ist das für mich ein guter Wein. Dahinter stecken natürlich sehr viele Komponenten wie Rebsorte, Anbaugebiet und die Weinlese. Ein wichtiger Faktor ist auch die Zeit. Trauben, die genügend Zeit hatten zu reifen und viel Sonne genießen konnten, haben optimale Voraussetzungen, zu einem guten Wein zu werden.

Wenn Du mal einen Wein zu einem Gang aussuchen darfst, welche Rolle spielen Lage und Jahrgang bei Deiner Weinauswahl? Oder welche anderen Aspekte stehen im Vordergrund?

Mit die wichtigste Rolle bei der Auswahl des Weines spielt für mich natürlich das Zusammenspiel der Aromen von Speisen und Wein. Diese müssen bestens auf einander abgestimmt sein und in absoluter Harmonie stehen, denn nur so dürfen wir uns auf ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis freuen. Hier arbeite ich natürlich eng mit unserem Sommelier und Restaurantleiter Marko Frommberger zusammen, der mit seinem Know-How und Erfahrung großen Input gibt und auch maßgeblich an dem Geschmackserlebnis beteiligt ist.

Welchen Stellenwert hat der Wein in der heimischen Spitzengastronomie?
Wein hat einen enorm hohen Stellenwert in der heimischen Spitzengastronomie. Nicht umsonst gehört zu unseren Gourmet-Restaurant-Teams immer ein Sommelier. Auch unsere Gäste wissen das zu schätzen und genießen den Service, sich vom Fachmann beraten zu lassen, um die passende Weinbegleitung für ihr Menü zu finden.

Zu Deiner Gastronomie gehört seit einigen Monaten auch die Vinothek „coq au vin“ mit einer starken Ausrichtung auf Pfälzische Weine. Was hat Dich zur Eröffnung der Vinothek in dieser Form bewogen?

Zunächst war es der Wunsch von Richard Engelhorn, die engelhorn Gastronomie-Familie um eine Vinothek mit Weinverkauf zu erweitern. Auch wir finden, dass die Pfalz viele junge Talente hervorbringt, die wir gerne unterstützen möchten. Unentdeckte Schätze junger Winzer aus der näheren Umgebung passen unserer Meinung nach sehr gut zu uns und in das Gastronomiekonzept. Die Pfalz und das Elsass sind Inbegriff für hochwertigen Genuss, ob kulinarisch oder vinologisch. Genau diesen beiden Attribute wollen wir mit unserer Gastro-Philosophie gerecht werden und das zu gleichen Teilen. Daher sind wir auch kein klassisches à la carte Restaurant, jedoch auch nicht nur eine typische Vinothek. Wir bieten Ihnen hochwertige Weine von Jungwinzern der Pfalz und anderen deutschen Anbaugebieten kombiniert mit „weinaffinen“ französischen Speisen. Das Ganze in einem ansprechenden Ambiente.

Tristan Brandt kurz gefragt:

– Schorle oder pur? Ich bin Genießer und trinke gerne ein Gläschen puren Wein. Aber auch ein Schorle als kleiner Durstlöscher kann lecker schmecken.
– Trocken oder blumig? Ich bin eindeutig Trockentrinker, aber auch ein trockener Muskateller mit blumigem Bouquet kann sehr interessant sein.
– Schoppen oder Viertel? Ein Viertel Wein zum Essen reicht mir zum Genießen aus.
– Merlot oder Spätburgunder? Hier fällt mir die Wahl sehr schwer. Ich habe schon sowohl einen tollen Merlot als auch einen sehr guten Spätburgunder im Glas gehabt. Hier kommt es auch auf die Stimmung an.
– Riesling oder Sauvignon Blanc? Ein schöner Lagenriesling steht für mich an erster Stelle. Aber auch ein Sauvignon Blanc kann vielseitig schmecken, je nachdem aus welcher Weinregion er kommt. Klar der beste Deutsche kommt aus der Pfalz
– Winzer-Sekt oder Champagner? Champagner trinke ich besonders gerne. Dennoch haben wir zum Beispiel in unserer Vinothek großartige Winzersekte, die qualitativ dem Champagner sehr nahe kommen.
– Baden oder Württemberg? Baden.
– Vor dem Essen: Sekt oder Sherry? Ein toller Sekt zum Aperitif lässt die Vorfreude auf ein tolles Menü für mich steigen.
– Spätzle oder Saumagen? Saumagen, Spätzle alleine sind zu trocken.
– Dessert oder Käse? Dessert, denn ich mag keinen Käse. Da hatte mich meine Mutter geprägt, die auch eine Abneigung dagegen hat.
– Danach: Bier oder Wasser? Da ich immer viel auf den Beinen bin, ist Wasser natürlich sehr wichtig. Aber auch ein Feierabendbierchen gönne ich mir ab und an mit meinem Team.


Auf einen Riesling mit … Nils Stuiver

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Foto: Andreas Durst

Nils Stuiver ist dabei, sich in der Weinszene einen Namen zu machen: Als Verkoster beweist er für verschiedene Medien Sachkompetenz und das richtige Gespür für besondere Weine. 2015 hat sich der 21-Jährige mit seiner Firma „1Stuiver“ selbstständig gemacht. Für Weingüter entwirft er Gestaltungskonzepte, die Philosophie und Stilistik des Hauses widerspiegeln sollen. Dabei kommt ihm neben seiner Affinität zum Wein auch jahrelange Erfahrung im IT- und Online-Bereich zugute. Wir haben uns mit Nils auf einen Riesling getroffen. Im Glas: der Kallstadter Riesling Kabinett 2008 von Koehler-Ruprecht.

Auf dem Pfälzer Weinblog schildern wir häufig Erlebnisse rund um das Thema Wein. Fällt Dir so ein „Wein-Moment“ ein, an den Du gerne zurückdenkst?
Tatsächlich hatte ich mit meinem doch jungen 21 Jahren schon viele schöne Wein-Momente erlebt. Einer dieser Momente ist mir aber besonders im Gedächtnis geblieben und ist noch gar nicht so lange her. Im Jahr 2015 habe ich meine eigene Firma »1STUIVER« gegründet. Zu meinen ersten Kunden zählt unter anderem das VDP-Weingut Acham-Magin aus Forst an der Weinstraße. Nach erfolgter Absegnung des Auftrages habe ich im familiären Kreis mit einen Champagner Réserve von Pol Roger angestoßen und diesen besonderen Moment gefeiert.

Als Weintester hast Du ja unzählige Weine getrunken, was macht für Dich einen guten Wein aus?Grundsätzlich sollte der Wein eine gradlinige und klare Struktur sowie eine gewisse Spannung aufweisen. Dies sollte vom eigentlichen Hintergrundgedanken des Weines nicht ablenken. Im besten Fall ist die Idee und Stilistik des Winzers im Geruch und Geschmack widergespiegelt und für mich erkennbar.

Wenn Du mal einen Wein einkaufst oder aussuchen musst, welche Rolle spielen Lage und Jahrgang bei Deiner Weinauswahl?
Den Fokus lege ich persönlich eher auf die Lage des Weines. Je nach Gemarkung wird der Wein von der Struktur des Bodens und der Witterung geprägt und bildet somit seine Lagentypizität. Der Jahrgang sollte keineswegs unterschätzt werden. Von Jahr zu Jahr haben wir unterschiedliche Witterungen und somit auch unterschiedliche Bedingungen für die Reifung der Trauben. Dies hat zum Beispiel Auswirkungen auf die Menge an Säure in einem Wein.

Du bist beruflich schon lange nahe an den Online-Medien. Welches ist aus Deiner Sicht aktuell beziehungsweise in 10 Jahren das wichtigste Medium  zur Vermarktung von Wein (Fernsehen, Print, Online-Medien)?
Aktuell hat die Print-Vermarktung noch eine gewissen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Viele haben gern immer noch „etwas in der Hand“. Ich denke, dass Print nie wirklich verschwinden wird, es ist und bleibt einfach etwas beständiges auf Papier. Dennoch wird in Zukunft die Online-Vermarktung immer zunehmender in den Vordergrund rücken. Es geht einfach schneller, günstiger und up-to-date.

Du hast Dich entschieden selbstständig als Weintester und Webdesigner mit Schwerpunkt Wein zu arbeiten. Was hat Dich dazu bewogen und warum denkst Du, dass Du hier Erfolg haben wirst? Weinverkostungen sind mehr eine Leidenschaft als Job für mich. Angefangen hat es mit kleineren Treffen und Proben mit den damaligen Neustadter Weinfreunden. Danach folgten immer größere Verkostungen, bis hin zum Meininger Verlag, PAR-System und Gault&Millau. Für meine berufliche Zukunft stand für mich im Vordergrund, dass ich meine Kreativität und meine Liebe zum Wein mit meinem Beruf verbinden kann. Für mich ist mein Beruf nicht nur eine Einkommensquelle, sondern mein Hobby und Passion. Leidenschaft und Spaß sind die beste Grundlage für den beruflichen Erfolg.

Nils Stuiver kurz gefragt:

Schorle oder pur? Vorzugsweise Pur, im Sommer darf es auch mal eine Schorle sein

– Knochentrocken oder aromatisch? Wenn aromatisch, dann gerne knochentrocken ausgebaut. Edelsüße Wein sollten aber auch nicht außenvorgelassen werden

– Schoppen oder Viertel? Definitiv Viertel!

– Merlot oder Cabernet Sauvignon? Cabernet Sauvignon

– Grauburgunder oder Silvaner? Silvaner – wird aber leider zu oft von den meisten unterbewertet

– Sekt oder Champagner? Ein guter Winzersekt darf schon mal sein

– Baden oder Württemberg? Baden, wegen der schönen Burgunder

– Dazu: Käse oder Wurst?  Klarer Fall für mich, Käse

– Danach: Bier oder Wasser? Wasser!

Auf einen Riesling mit … Christian Chako Habekost

Habekost
Angekommen im „gelobten Land“: Wein-Fan Chako Habekost an der Weinstraße.

Christian Chako Habekost ist zwar in Mannheim geboren, heute aber lebt er in und für die Pfalz. Sowohl als Comedian als auch im Privaten ist er ein Ur-Pfälzer. Seine Begeisterung für den (Pfälzer) Wein findet sich nicht nur in seinem Buch, sondern wurde im Gespräch überdeutlich. Der Mundschenk hat ihn nach einem Auftritt in Ludwigshafen getroffen. Im Glas war ein Riesling der Weinkellerei Kurt Glas, Neustadt.

Auf dem Pfälzer Weinblog schildern wir häufig Erlebnisse rund um das Thema Wein. Fällt Dir so ein „Wein-Moment“ ein, an den Du gerne zurückdenkst?
Einer der langen, besonderen Wein-Momente war die Verarbeitung der Weinerfahrung von mir und meiner Frau im Buch „Elwenfels“. Als ich Britta kennengelernt habe, hatte sie wenig Ahnung von Wein. Bei ihr konnte man aber beobachten, wie man sich auf dieses „antike Getränk Wein“ einlassen kann, in diese Welt hineinwächst und wie man die Sicht darauf verändert. In unserem gemeinsamen Buch geht es eigentlich die ganze Zeit um Wein. Von „wie die Leut in der Weinstub ihrn Schoppe petze“ bis hin zum „Zauberwein“, der etwas ganz besonderes hervorruft. Meine Frau hat die langen Texte geschrieben, und ich bin mehr der Typ für die kurzen pointierten Dialoge. Zusammen ergab sich daraus ein gesamtheitliches Wein-Erlebnis – nicht nur in den Nächten, in denen wir bei einer guten Flasche Rotwein zusammen „gehirnt“ haben.

Als Pfälzer hast Du ja unzählige Weine getrunken, was macht für Dich einen guten Wein aus?
Beim „Rode“ kann ich des genau sage. Ich mag Rotwein, der mit Holz in Berührung gekommen ist. Allerdings darf ich nicht nur Barrique im Mund haben, sondern es muss fein justiert sein. Holz muss als Element dazu kommen und darf nicht Totschläger sein. Im Sommer brauch ich dagegen was Frisches, aber gleichzeitig Gehaltvolles. Deshalb trinke ich außer Riesling auch so gerne Sauvignon Blanc. Hier aber ohne Holz.

Wenn Du einen Wein einkaufst, welche Rolle spielen Lage und Jahrgang bei Deiner Weinauswahl?Jahrgangskäufer bin ich net. Wenn wir mal ganz ehrlich sind, dann wissen wir doch, dass man mit der modernen Kellertechnik einiges ausgleichen kann. Daher achte ich hier weniger drauf. Bei der Lage sieht das anders aus. Wenn der Riesling getreu seines Terroirs ausgebaut wird, dann macht das schon sehr viel aus. Ich mag es, den Unterschied zwischen einem Jesuitengarten und einem Ungeheuer zu schmecken und zu erkennen, was aus den unterschiedlichen Böden rauskommt. Ich bin aber kein Weinsammler, sondern ein Weinkonsument. Odder uff Pälzisch: getrunke werdd wenn Dorscht do is, un des is mehr wie selte, weesch wie’sch mään?!

Welchen Wein habt ihr im Film „Pfälzisch im Abgang“ wirklich getrunken?
Am Set wurde kein Wein getrunken. Das ist ja harte Arbeit. Danach wurde das getrunken, was gerade da war und wo wir gerade waren. Die Innenaufnahmen wurden ja im Schwobeland gemacht. Der Keller vom Weingut Fröhlich war der Keller der Winzergenossenschaft Stuttgart. Verrickt, gell?! Aber ich habe dort keinen Wein gefunden, der mir so richtig gut geschmeckt hat. Daher wurde dann abends beim „Italiener“ mehr italienischer Wein getrunken. Das Intro im Film haben wir beim Fitz-Ritter gedreht. Dabei hat der Johann (Fitz) natürlich seinen eigenen Sekt ausgeschenkt, und der ist richtig gut.

Du hast Dich gegen Mannheim und für die Pfalz entschieden. Was hat Dich motiviert?
Ich bin in Mannheim auf der Vogelstang aufgewachsen, und sonntags wurde dann immer gefragt, wo geht der Sonntagausflug hin. Der Odenwald war nahe, den konnte man sogar sehen. Aber ich wollte immer in die Pfalz. Ich habe das als Kind schon als was Schöneres, Exotischeres empfunden. Meine erste Frau war Südpfälzerin und da war klar, dass wir von Mannheim in die Pfalz ziehen. Ich habe dann zuerst in der Gemüse-Pfalz gewohnt. Vor dort aus bin immer gerne mit dem Fahrrad auf die Haardt zugefahren und habe dann in „Derkem“ eine Schorle getrunken. Irgendwann habe ich dann entschieden mir dort ne Wohnung zu suchen und bin jetzt angekommen, wo ich immer hin wollte, an der Weinstraße, im gelobte Land.

Zum Abschluss die Frage, die in dieser Reihe noch gar nicht gestellt wurde: Welches sind die unbekannteren Winzer, die Du toll findest?
Brenneis-Koch aus Leistadt gehört dazu. Der experimentiert mit neuen Rebsorten (z.B. Nebbiolo) und macht das richtig gut. Dann aus Kleinfischlingen das Weingut Ellermann-Spiegel mit schönem Weißburgunder und toller Rotweincuvée. Finde ich total spannend. Und dann der Winzer, der mich bereits beeindruckt hat, als ich noch in der Gemüse-Pfalz gewohnt habe: das Bioland-Weingut Merk in Ellerstadt. Hier haben sich die Söhne, nachdem sie sich im Ausland Erfahrung geholt haben, immer weiter eingebracht mit neuen Ideen. Diese Familie hat mir vor 20 Jahren den Pfälzer Wein wirklich nahe gebracht, sie machen auch heute noch reine, frische Weine zum guten Preis. In Dürkheim: „Hensel“ und „Schäfer“, aber die sind ja nicht mehr ganz so unbekannt. Und für Schorlewein der „Pflüger“: der frischeste, geilste Schorlewein den‘s gibt.

Chako Habekost kurz gefragt:

Schorle oder pur? Beides, je nach Tageszeit
Trocken oder blumig? Trocken
Schoppen oder Viertel? Achtel auf keinen Fall, Viertel schon eher
Merlot oder Spätburgunder? Spätburgunder, klar
Weißburgunder oder Silvaner? Vor einem halben Jahr Weißburgunder, jetzt Silvaner
Sekt oder Champagner? Sekt, besser Rieslingsekt
Baden oder Württemberg? (lacht)
Currywurst oder Saumagen? Weder noch, wenn dann vegetarischer Saumagen
Danach: Bier oder Wasser? Wasser
Schoppen oder GG? Heute Abend GG, auf’m Balkon Schoppen
Fröhlich oder Weingärtner? Weingärtner, wer is’n des?


Auf einen Riesling mit … Natalie Lumpp

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Hatte ihr Aha-Erlebnis in Sachen Wein mit 18: Natalie Lumpp. (foto: klaus-henning damasko)

Heute haben wir eine international renommierte Weinexpertin getroffen, die als Sommelière seit Jahrzehnten Weine probiert und anderen Menschen nahebringt: Nicht zuletzt durch Auftritte im Fernsehen oder Kolumnen in Zeitungen und Zeitschriften hat sich Natalie Lumpp einen Namen gemacht. Die Badenerin (Jahrgang 1971) hat sich nach diversen hochkarätigen Stationen als Sommelière als Weinberaterin selbstständig gemacht. Das Interview fand in Friedelsheim statt. Im Glas war ein Riesling vom Weingut Krebs, Friedelsheim.

Auf dem Pfälzer Weinblog schildern wir häufig Erlebnisse rund um das Thema Wein. Fällt Dir so ein „Wein-Moment“ ein, an welchen Du gerne zurückdenkst?
Jeder Mensch braucht ein „Wein-Aha-Erlebnis“ und dann ist man infiziert für das ganze Leben. Zu meinem größten Erlebnis gehörte, als mich mein damaliger Freund zum 18. Geburtstag in die Traube Tonbach eingeladen hat. Der Sommelier hat uns dann zum Hauptgang einen Gevrey-Chambertain empfohlen. Schon beim Dekantieren strömte mir der Duft entgegen. Da wusste ich, es geht nicht mehr anders – ohne Wein geht’s nicht mehr.

Als Sommelière hast du ja unzählige Weine getrunken, was macht für Dich einen guten Wein aus?
Ein guter Wein ist nicht „tutti frutti“ nett. Ein großer Wein ist für mich vielschichtig auch im Duft und soll viel erzählen können. Wichtig ist, dass er Mineralität hat, Extrakte besitzt und lang ist. Aber heute ganz wichtig, dass man den Alkohol nicht rausschmeckt. Weine, die nur vom Alkohol getragen werden, sind für mich keine großen Weine.

Welche Rolle spielen Lage und Jahrgang bei Deiner Weinauswahl?
Der Jahrgang hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Ich kann mich noch an die schlechten Jahrgänge aus den 80ern erinnern, da hatte man wirklich eine saure Brühe. So was gibt es heute nicht mehr. Auch bei der Lage finde ich es gut, dass man im Konsumwein-Bereich weggeht von der Lagen-Fokusierung und die Etiketten entrümpelt. Bei den „High End“-Weinen ist aber es phänomenal, wenn man die große Kunst der Einzellage probieren kann.

Welche sind aus Deiner Sicht aktuell die wichtigen Medien zur Vermarktung von Wein (Fernsehen, Print; Online-Medien)?
Bei Markenprodukten auch im Sekt- und Weinbereich ist das Fernsehen ganz wichtig; das Geschäft macht man über Werbung. Das ist jedoch nicht meins. Ich persönlich liebe Weinmagazine und mag die Haptik. Alles was mich interessiert, reiße ich aus der Zeitung raus, und es wird abgeheftet. Mein ganzes Büro besteht aus physischen Ordnern. Die schnellen Medien (wie online) haben auch ihre Berechtigung für die Suche nach aktuellen oder passenden Themen und für die Möglichkeit, dass auch jeder seine Meinung äußern kann. Ich glaube aber auch, dass die Weinmagazine für Liebhaber langfristig überleben werden.

Du hast Dich entschieden nicht mehr so viel in der Gastronomie zu arbeiten, sondern bist nun mehr in der Unterhaltungsbranche mit „Essen und Wein“ tätig. Was hat Dich dazu bewogen?
Es kam alles irgendwie von selbst und war nicht von langer Hand geplant. Ich hatte 1997/98 den Titel bester Sommelier Deutschlands. Es war die Zeit, als man Wein als Lifestyle entdeckte. Eine Zeitung sprach mich an, ob ich mal was schreiben könnte. Ich hatte mit einer Kolumne für eine Tageszeitung und Frauenzeitung angefangen, dann im SWR-Fernsehen über Wein erzählt. Schließlich kamen Unternehmen auf mich zu und fragten, ob ich nicht mal einen ganzen Abend mit Wein veranstalten könnte. Es war ein Selbstläufer und nicht mehr nebenher zu bewältigen. Also habe ich mich selbstständig gemacht und mal geschaut, ob ich davon auch leben kann. Jetzt bin ich 15 Jahre selbstständig und habe glücklicherweise bisher kein einziges Mal akquirieren müssen.

Natalie Lumpp kurz gefragt:

Schorle oder pur? Pur
Trocken oder blumig? Schwierig, ne trocken
Schoppen oder Viertel? Viertele
Merlot oder Spätburgunder? Spätburgunder um Welten
Riesling oder Silvaner? Riesling ist der geilste Stoff, Silvaner von Augustin aus Franken
Sekt oder Champagner? Wenn es ein richtiger guter Champagner ist: Champagner
Pfalz oder Württemberg? Fällt schwer, passe, jede Region weiß ich zu schätzen
Dazu: Spätzle oder Saumagen? Saumagen oder Schmorgericht
Danach: Bier oder Wasser? Wasser oder Riesling


Auf einen Riesling mit … Felix Eschenauer

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Haben frische Ideen ins Weinmarketing gebracht: die Medienagenten aus Bad Dürkheim. Von links: Christoph Ziegler, Felix Eschenauer, Dirk Paulus und Jochen Stange. (foto: weinkaiser.de)

Nachdem wir mit Politikern und Königinnen gesprochen haben, hat sich der Mundschenk jetzt mit Marketingstrategen auf einen Riesling getroffen, die in den vergangenen Jahren viele frische Ideen ins Weinmarketing in Deutschland und darüber hinaus gebracht haben. Stellvertretend für die Medienagenten aus Bad Dürkheim haben wir uns mit Felix Eschenauer unterhalten. Das Interview fand in Bad Dürkheim statt. Im Glas war der 2014 Michelsberg GG Riesling von Gabriel Huber, Kellermeister im Dürkheimer VDP-Weingut Karl Schaefer.

Auf dem Pfälzer Weinblog schildern wir häufig Erlebnisse rund um das Thema Wein. Fällt Dir so ein „Wein-Moment“ ein, an den Du gerne zurückdenkst?
Es gibt so viele tolle Wein-Momente, an die ich mich erinnere. Da ich ein geradezu fotografisches Gedächtnis meiner sensorischen Eindrücke habe, kann ich mich an wirklich viel erinnern. Einer der erste großen Weine war mit 16 ein 85er Château Latour, den mir mein Patenonkel, von dem ich sehr viel über Wein gelernt habe, eingeschenkt hat. Die Größe habe ich damals schon gespürt. Als mein Sohn Henri und meine Frau nach der Geburt aus dem Krankenhaus zurückkamen, haben wir zusammen mit meinen Eltern eine Flasche 1989er Champagner „Cuvée du Prieuré“ von Guy Michel geköpft. Ein wunderbar reifer, ruhiger und altmodischer Champagner, der auch schon eine Weile auf einen guten Moment im Keller gewartet hatte. Diesen (Wein-)moment werde ich sicher nicht mehr vergessen, auch wenn der Wein nicht unbedingt im Vordergrund stand…

Was macht für Euch einen guten Wein aus?
Guter Wein ist nicht nur eine Frage des Anlasses: also – brauche ich gerade ein komplexes GG (Großes Gewächs) oder einen einfachen Schoppen, sondern immer auch eine Frage, welche Philosophie der Winzer hat. Guter Wein ist Wein, hinter dem der Winzer steht, der seine Persönlichkeit und seine Idee transportiert.

Welche Rolle spielen Lage und Jahrgang bei der Weinauswahl?
In Deutschland sagt der Jahrgang tatsächlich noch was aus. Und wenn ich entscheiden muss, ob es mir gerade nach einem säurebetonten, schlanken oder eher kraftvollen Riesling ist, dann muss man eben nicht nur auf Winzer und Region schauen, sondern auch aufs Jahr. Um mal ein Extrem aufzuzeigen: 2010 – sehr kantig mit harter Säure – und 2005 – extrem reif, üppig, langlebig, aber im trockenen Bereich mit der Tendenz zur Mastigkeit.

Kann man als Dürkheimer Medienstrategen auch Weine aus anderen Weinregionen trinken? Falls ja, was ist Eure favorisierte Region?
Natürlich, das muss man sogar. Wir sind ja mittlerweile nicht nur in allen deutschen Anbaugebieten unterwegs, sondern auch europaweit. Zur Inspiration trinken wir aber natürlich Weine aus der ganzen Welt. Ich schätze beispielsweise die Dynamik, die Winzer im Burgenland mit ihren verschiedenen Blaufränkisch-Stilen zeigen, sehr.

Wenn ein „chilliger“ Abend angesagt ist, zu welchen Weinen greift Ihr und Eure Kollegen dann?
Das ist relativ einfach: Weine, die gut aussehen, eingängig schmecken – also einen guten Trinkfluss haben – und trotzdem nicht die Welt kosten. Ich behaupte, da befinden wir uns in Deutschland in der glücklichen Lage, das beste PLV (Preis-Leistungs-Verhältnis) weltweit zu besitzen. Ein gutes Beispiel ist der „Blutsbruder“ von Karl May. Bei uns wird aber auch viel guter Sprudel getrunken: Und wenn schon nicht jeden Tag Champus, dann ein spannender, vielschichtiger Sekt, wie jene von Griesel & Cie. oder von Mark Barth aus dem Rheingau.

Felix Eschenauer kurz gefragt:

Schorle oder pur? Seit die Pfalz meine neue Heimat geworden ist: eindeutig Schorle
Kantig oder primär-fruchtig? Ich mag Frucht, aber noch mehr schätze ich Mut zur Kante! Kante makes the difference.
Schoppen oder Viertel? Schoppen!
Merlot oder Spätburgunder? Spätburgunder!
Riesling oder Silvaner? Schwierig: Zu den meisten Speisen lieber Silvaner, solo lieber Riesling.
Sekt oder Champagner? Unbedingt Champus!
Rheinhessen oder Nahe? In dieser Absolutheit? Nahe, die vielfältigste deutsche Weinbauregion mit einer enormen Dichte an Top-Betrieben
Dazu: Burger oder Saumagen?  Saumagen – geht tags, nachts und auch dazwischen.
Danach: Haardt-Bier oder Wasser? Dazu viel Wasser, danach ein Haardt-Bier natürlich für den Säure/Basen-Ausgleich.


Auf einen Riesling mit … Julia Klöckner

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Ein besonderer Wein-Moment für Julia Klöckner: Weinlese 2015 in Edenkoben.

Julia Klöckner stammt aus einer Winzerfamilie aus dem Anbaugebiet Nahe und war 1995 Deutsche Weinkönigin. Danach startete sie als Politikerin durch und saß neun Jahre für die CDU im Bundestag. Seit 2010 ist sie Vorsitzende der rheinland-pfälzischen CDU, die sie auch als Spitzenkandidatin in die Landtagswahl 2016 führt. Doch zuvor hat sie noch die Fragen des Mundschenks beantwortet.

Auf dem Pfälzer Weinblog schildern wir häufig Erlebnisse rund um das Thema Wein. Fällt Ihnen so ein „Wein-Moment“ ein, an den  Sie gerne zurückdenken?
Ein besonderer Weinmoment war dieser Tage erst: Weinlese in der Pfalz, in Edenkoben – eine Benefizweinlese für Flüchtlinge. Der Erlös der Weinsonder-Edition des Weinguts Nicole Graeber fließt in die Flüchtlingshilfe. Und in der Pause bei der Brotzeit tranken wir mitten im Weinberg, auf Bierbänken sitzend, den Riesling, der zwei Jahre vorher in dem Weinberg geerntet worden war. Die Sonne schien, die Stimmung war heiter, das Krustenbrot und die Wurst schmeckten nach der Arbeit  und der Wein war herrlich gekühlt. Ein wunderbarer, geselliger Moment!

Was macht für Sie einen guten Wein aus?
Dass ich gerne noch ein nächstes Glas davon trinken würde. Es sind nicht die Parker-Punkte oder die Profi-Besprechungen, die darüber bestimmen, ob einem der Wein persönlich schmeckt. Jeder findet das für sich selbst heraus – ob er nun restsüß oder trocken ist, er muss einem einfach schmecken. Und ich bin gegen Geschmacks-Diktate.

Welche Rolle spielen Lage und Jahrgang bei Ihrer Weinauswahl?
Eine untergeordnete Rolle – die Lage eigentlich gar nicht. Es gibt natürlich Weinjahrgänge, die sprechen für oder gegen einen Wein. Und wenn ich auf einer Weinkarte einen Weißwein finde, der bereits sechs Jahre alt und ein einfacher Kabinett ist, dann wird er nicht mehr frisch sein. Dann greife ich gewiss nach einem anderen.

Kann man als rheinland-pfälzische Politikerin auch Weine aus anderen Weinregion trinken oder wird dies negativ ausgelegt? Wenn ja, welche Region?
Können sicherlich. Und es gibt ja auch private Momente. Nur sollte man bei offiziellen Anlässen, Empfängen oder auch bei Weingeschenken darauf achten, für wen man unterwegs ist, nämlich fürs eigene Land – bei einem Festakt im eigenen Land sollte man auch heimische Gewächse anbieten. Ansonsten kann es sicher nicht schaden, sich auch durch Vergleichsproben weiterzubilden, ganz gleich, woher der Wein kommt.

Wenn in der Politikszene ein gemütlicher Abend angesagt ist, zu welchen Weinen greift dann die Mehrzahl der Politiker?
Politiker sind Individuen, es gibt keinen Berufseinheitsgeschmack. Ich kann nur für mich sprechen – trockener Grauburgunder, das ist mein Favorit.

Julia Klöckner kurz gefragt:

Schorle oder pur? Für den Durst Schorle, für den Genuss pur
Trocken oder blumig? trocken
Schoppen oder Viertel? Kommt auf die Qualität des Weines an, manchmal ist selbst ein Viertel zu viel
Merlot oder Spätburgunder? Spätburgunder
Riesling oder Silvaner? Rieslaner
Sekt oder Champagner? Winzersekt
Pfalz oder Nahe? Nicht oder: sowohl als auch
Woiknorze oder Saumagen? Saumagen
Danach: Bier oder Wasser? Beides


Auf einen Riesling mit … Janina Huhn

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Janina Huhn hat den deutschen Wein auf der ganzen Welt vertreten: Als Deutsche Weinkönigin 2014/2015 ist die Bad Dürkheimerin weit gereist und hat selbst im fernen Hongkong einen Fan des Pfälzer Weins kennengelernt. Der Mundschenk hat sie in ihrer Heimatstadt Bad Dürkheim zum Gespräch für unsere Reihe „Auf einen Riesling mit …“ getroffen. Im Glas war ein 2014er Herrenberg GG Riesling vom Weingut Karl Schaefer, natürlich aus Dürkheim.

Auf dem Pfälzer Weinblog schildern wir häufig Erlebnisse rund um das Thema Wein. Fällt dir so ein „Wein-Moment“ ein, an welchen du gerne zurückdenkst?
Besondere Momente haben für mich immer auch etwas mit Menschen zu tun, die man nicht kennengelernt hätte, wenn es den Wein nicht gegeben hätte. In Hongkong hatte ich hier ein besonderes Erlebnis in einem Weingeschäft für deutschen Wein. Es gab dort eine Wand voller Weine vom Weingut Pfeffingen, bei dem ich Praktikum gemacht habe. Als der lokale Besitzer gehört hat, woher ich komme, holte er sofort ein Fotoalbum über das Weingut heraus und wir haben uns gleich verstanden. Der Besitzer und ich haben die gleiche flüssige Leidenschaft geteilt – Wein aus Pfeffingen.

Als Weinkönigin hast du ja unzählige Weine getrunken, was macht für dich einen guten Wein aus?
Es gibt natürlich sehr viele gute und sehr gute Weine, die alle Spaß machen. Ein besonderer Wein muss mich aber glücklich machen, das kommt ab und zu mal vor. In diesen Momenten freue ich mich so, dass ich manchmal vor Freude „quietsche“. Aber nun etwas genauer: Ein Riesling muss zum Beispiel mineralisch und extraktreich sein. Er darf gerne Würze zeigen, die eine weitere Dimension bringt, und sollte den Mund ausfüllen. Neben einigen Weinen aus Dürkheim – meinen „Heimat“-Weinen – hatte ich solch ein „Aha-Erlebnis“ zum Beispiel mit Weinen vom Bremmer Calmont (Steillage an der Mosel, die Redaktion), die eine eigene Würzigkeit zeigen. Sie haben mich glücklich gemacht.  Beim Rotwein gefällt mir ein leichter Barrique-Einsatz, der eine kühle Note und eine gewisse Minzigkeit hinterlässt.

Wenn du mal einen Wein einkaufst oder aussuchen muss, welche Rolle spielen Lage und Jahrgang bei deiner Weinauswahl?
Wenn ich auf Weinsuche gehe, suche ich dabei einen gewissen Stil. Ich habe ein Konzept im Kopf – der Stil des Weines ist also entscheidend für mich. Will ich das Terroir in den Vordergrund stellen, suche ich einen Winzer, der es schafft, die Besonderheit einer Lage herauszuarbeiten, oder wenn ich nach Geschmacksexperimenten suche, der einen besonderen Ausbaustil hat. Der Jahrgang ist wichtig, wenn ich eine Probe mit Jahrgangsvergleichen mache. Aber grundsätzlich ist er für mich nicht so ausschlaggebend. Außerdem bestimmt ja der Markt beziehungsweise das Angebot häufig den Jahrgang.

Die neue Weinkönig aus Baden hatte ja schon negative Schlagzeilen in der Boulevardpresse bekommen, da sie mit einer Flasche mit italienischem Wein auf Ihrer Facebook-Seite abgebildet war. Kann man als Deutsche Weinkönigin auch Weine aus anderen Ländern trinken?
Wenn man Wein repräsentieren und positionieren soll, ist es wichtig, dass man auch einen internationalen Weitblick hat. Man erkennt beim Probieren der ausländischen Weine, wo die Stärken der deutschen Weine liegen. Ich konnte beispielweise eine Gruppe von englischen Weinliebhabern, die weder Pinot gris noch Pinot grigio mochten, vom deutschen Grauburgunder überzeugen. Dies war nur möglich, weil ich die Besonderheit des deutschen Grauburgunders und dessen Unterschied zu den italienischen und französischen Varianten kannte. Bei offiziellen Auftritten musste ich natürlich darauf achten, dass ich den richtigen Wein positioniere und nicht mit einer Flasche Champagner abgebildet werde. Aber die Freizeit, und dazu zähle ich auch die private Facebook-Seite, sollte auch für die Presse privat sein.

Du hast dich entschieden beim Weinkeller der BASF deine zweite Karriere zu starten. Was waren die Beweggründe?
Ich wollte gerne in der Pfalz bleiben, aber Erfahrung mit einer breiten Weinauswahl und der internationalen Weinwelt machen. Da ist der Weinkeller der BASF eine perfekte Lösung.  Hier gibt es die einmalige Kombination von Regionalität und Internationalität. Ich kann mich meinem Steckenpferd „der Moderation“ widmen und die Dinge ausüben, die ich über die letzten Jahre gelernt und gemacht habe. Den Weingütern in der Pfalz bleibe ich dabei ohnehin direkt oder indirekt weiter verbunden.

Janina Huhn kurz gefragt:

Schorle oder pur? Beides
Trocken oder blumig? Trocken
Schoppen oder Viertel? Kommt auf die Situation an, aber ich lieb das Dubbe Glas
Merlot oder Spätburgunder? Spätburgunder, was sonst
Riesling oder Silvaner? Silvaner aus Franken, sonst Riesling
Sekt oder Champagner?  Sekt; Champagner ist oft zu füllig
Rheinhessen oder Nahe? Nahe ist ziemlich cool, Rheinhessen in vielen Teilen auch.
Woiknorze oder Saumagen?  Saumagen im Woiknorze
Danach: Bier oder Wasser? Bier, gerne ein Tannenzäpfle


Auf einen Riesling mit … Kurt Beck

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Auf einen Riesling im Hubertushof: Kurt Beck (links) und der Mundschenk.

Unter dem Motto „Auf einen Riesling mit …“ führen wir kurze Interviews mit Menschen aus den verschiedensten Lebensbereichen – natürlich geht es dabei um das Thema Wein. Den Anfang macht der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident  und Ex-SPD-Chef Kurt Beck, der aus dem südpfälzischen Steinfeld stammt. Das Gespräch führte der Mundschenk im Hubertushof in Ilbesheim. Im Glas war zuerst eine Rieslingschorle (mit dem Gutsriesling von Weingut Kranz)  und dann ein 2014er Riesling Ilbesheimer Kalmit von der Weinwerkstatt aus Birkweiler.

Auf dem Pfälzer Weinblog schildern wir häufig Erlebnisse rund um das Thema Wein. Fällt Ihnen so ein „Wein-Moment“ ein, an den Sie gerne zurückdenken?
Mein Vater hatte eine Rebzeile Riesling und zwei Rebzeilen Rotwein und baute zum Eigengebrauch ein Fass Riesling und ein Fass Rotwein aus. Als Kind durfte ich mit in den Keller, um mit dem Schlauch den Gärungsfortschritt zu kontrollieren. Das war dann immer ein tolles Erlebnis, wenn der erste süße Wein und später auch der durchgegorene probiert werden durften. Als Jugendlicher konnte ich dann meine ersten D-Mark bei der Weinernte dazuverdienen. Wenn man in einer Weinregion aufwächst, ist eben schon das frühe Leben durch den Wein geprägt.

Was macht für Sie einen guten Wein aus?
Ich mag trockene, charaktervolle Weißweine, bei denen man die Landschaft und das Terroir spürt. Sogar bei der Rieslingschorle, die vor uns steht, wird dies deutlich. Ältere oder reifere Weißweine sind nicht so mein Fall. Der Spätburgunder darf gerne im Barriquefass nachgereift sein.

Welche Rolle spielen Lage und Jahrgang bei Ihrer Weinauswahl?
Beim Riesling – einer meiner Lieblingsweine – muss es ein frischer, spritziger aus den letzten zwei, drei Jahren sein. Mit zunehmendem (Lebens-)Alter sollte man auf die Säure achten, und man geht dann ab und zu zum Grau- und Weißburgunder über.  Ich habe aber keine bevorzugte Lage, sondern trinke eigentlich fast immer einen Wein aus der engeren Region, in welcher ich mich gerade befinde. In Rheinhessen muss es für mich dann immer ein Silvaner sein.

Kann man als Pfälzer, der gleichzeitig rheinland-pfälzischer Ministerpräsident ist, auch Weine aus anderen Weinregionen trinken oder wird dies negativ ausgelegt? 
Rheinland-Pfalz hat mit seinen sechs Anbaugebieten doch eine riesige Auswahl an unterschiedlichen Weinen, da ist immer was dabei. Als Südpfälzer gehört auch der Elsässer Riesling noch zu meinen Heimatweinen, die ich aufgrund der Leichtigkeit schätze. Jedoch liegen in meinem kleinen Weinkeller auch ein paar Franzosen und Italiener.

Wenn in der Politikszene ein gemütlicher Abend angesagt ist, zu welchen Weinen greift dann die Mehrzahl der Politiker? 
In Berlin führte ich einen ewigen Kampf, da hier vom Catering häufig miserable Weine serviert wurden. Bei Gerhard Schröder, aber auch bei Angela Merkel, wurden oft ausländische (insbesondere französische) Rotweine angeboten. Da habe ich häufig protestiert und gesagt „Schaut doch mal, welch tolle deutschen Rotweine es gibt und probiert diese“.
Bei anderen war die Bekehrung leichter. So konnte ich Mario Adorf bei einer speziell arrangierten Weinverkostung von der Qualität der deutschen Rotweine überzeugen und als Dank hat er im Bundespräsidialamt mal eine Weinprobe mit deutschen Rotweinen besprochen. Das war ein wirklich eindrucksvolles Fest.
Mit Olaf Henkel hatte ich nach einer ZDF-Talkshow eine hitzige Diskussion über einen grauslichen Rotwein. Als Verwaltungsratsvorsitzender (des ZDF) konnte ich dies abstellen und es werden jetzt bei diesen Veranstaltungen bessere und auch regionale Weine angeboten.

Kurt Beck kurz gefragt

Schorle oder pur? Pur, bei der heutigen Hitze (ca. 28 Grad) aber Schorle.
Trocken oder blumig? Trocken und nur trocken.
Schoppen oder Viertel? Schoppen.
Merlot oder Spätburgunder? Spätburgunder, ganz klar.
Riesling oder Silvaner? Zuhause Riesling, in Rheinhessen Silvaner.
Sekt oder Champagner? Weder noch, ich versuche mich immer um den Sekt oder Champagner zu drücken.
Rheinhessen oder Nahe? Beide bringen tolle Weine hervor.
Woiknorze oder Saumagen?  Alles zu seiner Zeit, aber Saumagen von meiner Frau natürlich lieber.
Danach: Bier oder Wasser?  Wasser dazu, später auch mal Bier oder einen richtig trockenen Wein.

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