Orange und Naturwein

Mehr als neue Farben im Glas

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Von Alexander Sperk
Seit einiger Zeit kursieren im Kreis der interessierten Weintrinker zwei Begriffe, die rege diskutiert werden: Orangewine und Naturwein beziehungsweise Vin naturel. Für beide sind verschiedene Definitionen im Umlauf, was es nicht unbedingt leichter macht, beides auseinander zu halten. Folgerichtig wird das Ganze auch bunt durcheinander geworfen.

Auf der ProWein 2016 haben der Mundschenk und ich einen Ecovin-Workshop besucht, auf dem wir eine – wie ich finde – sehr griffige Definition von Orangewine bekommen haben: Demnach ist Orangewine einfach auf der Maische vergorener Weißwein. Das bedeutet, die Trauben werden vom Stiel getrennt („entrappt“) und mitsamt der Beerenschalen vergoren. Dieses Verfahren kennt man eigentlich von Rotweinen, die dadurch unter anderem ihre Farbe und deutlich mehr Tannine bekommen. Dadurch ändern sich Struktur und Geschmack des Weins. Durch dieses Verfahren entsteht auch die kräftige, ins Orange oder Braune gehende Farbe der Orangewines, da mehr Farbstoffe aus den Beerenschalen extrahiert werden. Das ist relativ simpel und mit dieser Definition kommt man eigentlich recht weit.

Schwieriger wird es bei den Naturweinen. Auch dafür gibt es keine allgemeingültige Definition. Die aktuelle Naturweinbewegung entstammt vor allem dem biologischen und dem biodynamischen Weinbau. Beim Naturwein wird auf Zusätze und aufwendige Kellereitechnik verzichtet, stattdessen setzen Winzer, die Naturweine produzieren, auf Spontangärung mit wilden Hefen, verzichten auf Schönung und oftmals auch auf Filtration. Häufig werden Naturweine auch nicht im Edelstahl, sondern im Holz oder gar im Betonei oder der Amphore ausgebaut. Gemeinsam haben Naturweine auch, dass wenig bis gar kein Schwefel zugesetzt wird, um sie zu stabilisieren.

Das hat – gemeinsam mit der Spontangärung – große Auswirkungen auf den Geschmack. Auch davon konnten wir uns auf der ProWein überzeugen, als wir denselben Wein – einen Weißburgunder von der Mosel – einmal geschwefelt und einmal ungeschwefelt – probiert haben. Allerdings muss ich sagen, dass nicht alle Naturweine, die ich bislang getrunken habe, mein Fall waren. Bei manchen hat eine stark oxidative, sherryartige Note alles andere überlagert. Feine Nuancen waren bei diesen Weinen Fehlanzeige. Natürlich muss das nicht so sein, ich habe mindestens ebenso viele gute Naturweine probiert, die mir wirklich ein neues und sehr angenehmes Weinerlebnis gebracht haben. Also gilt auch hier: Am besten beim Winzer des Vertrauens kaufen und auf jeden Fall vor dem Kauf probieren, falls das irgendwie möglich ist.

Aufgrund des aufwendigen Prozesses, der schließlich zum Naturwein führt, und dem damit verbundenen Preis wird der Naturwein wohl eher ein Nischenprodukt bleiben.  Aber wenn er gut gemacht ist, lohnt es sich, zumindest mal in die Welt von Orange- und Naturwein hineinzuschnuppern – nicht nur für ausgemachte Weinfreaks.

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