Alkoholfrei à la Leiner: Wie schmecken die Fieldblends?

Field Blends
Sven Leiner setzt auf Fieldblends als alkoholfreie Alternativen zum Wein. (Foto: Die Lichtzeichnerei)

Geschrieben von Alexander Sperk

Wird der Weintrinker zur aussterbenden Spezies? So weit ist es zwar sicher noch nicht, aber die Branche kämpft mit einem Rückgang des Weinkonsums. Zu wenigen Weintrinkern steht zu viel Wein gegenüber. Dabei spielt sicherlich die Anti-Alkohol-Kampagne der Weltgesundheitsorganisation eine Rolle, aber auch der Lebensstil der jüngeren Generation. Kaum ins Gewicht fallen dürften dagegen Trends wie der „Dry january“ – der Vorsatz, im ersten Monat des Jahres keinen Alkohol zu trinken. Um es klar zu sagen: Wir treten für einen maßvollen Genuss von Wein ein. Wein ist Kulturgut, das Landschaften prägt, die zu den schönsten der Welt gehören. Auch medizinisch gibt es nicht nur Belege für seine Schädlichkeit, sondern auch durchaus Studien, die bei maßvollem Konsum positive Effekte nahe legen, etwa ein geringeres Herzinfarkt-Risiko.

Dennoch muss sich die Branche Gedanken machen, wie man mit geringer werdender Nachfrage umgeht. Eine oft diskutierte Antwort sind entalkoholisierte Weine, die in den vergangenen Jahren geschmacklich einen großen Schritt nach vorne gemacht haben. Zu unseren Favoriten gehören dabei die entalkoholisierten Varianten vor allem von Bukettsorten wie etwa die Cuvée Liberté des Weinguts Fitz-Ritter. Ansonsten sind entalkoholisierte Weine derzeit auch eine gute Schorle-Alternative auf Weinfesten oder dem Wurstmarkt.

Sven Leiner geht einen anderen Weg: die Fieldblends

Für Bio-Winzer Sven Leiner aus dem südpfälzischen Ilbesheim ist die derzeitige Entwicklung im Weinbau keine Überraschung: „Über Jahre hinweg hat sich abgezeichnet, dass die Generationen, für die Wein ein selbstverständlicher Teil der Genusskultur war, kleiner werden – während gleichzeitig viele Jüngere bewusster konsumieren und weniger Alkohol trinken“, so Sven Leiner. „Diese Entwicklung, kombiniert mit der wirtschaftlich angespannten Situation, führt zwangsläufig zu sinkendem Weinkonsum.“

Um neue Kunden zu gewinnen, geht Leiner einen anderen Weg. „Wir entziehen keinem Wein den Alkohol. Wir vergären Trauben mit ausgewählten Pflanzen und Kräutern auf Kombucha-Basis – so entstehen lebendige Fermente mit Struktur, Säurespiel und Länge, ganz ohne die technischen Eingriffe der Entalkoholisierung“, erklärt Sven Leiner die Idee, die hinter der alkoholfreien Linie seines Weinguts steckt. Leiners Fieldblends sind tee- und kombuchabasierte Cuvées aus Trauben, Feldgemüsen und Kräutern. Im Unterschied zu entalkoholisierten Weinen entstehen diese durch Fermentation oder Infusion. „Alkoholfrei, eigenständig, Demeter zertifiziert – eine Alternative, die wie Wein eingesetzt werden kann, aber kein Wein sein möchte“, wie das Weingut schreibt. Das gilt für alle „Proxys“, zu denen auch Leiners Produkte gehören.

Das Weingut arbeitet bereits seit 2005 biodynamisch, was Erfahrung mit Tees, Fermenten und Kräutern im Weinberg einschließt. Die unkomplizierten, süffigen teebasierten Infusions füllt Leiner schon seit Jahren, die Ferments (kombucha-basiert) seit Oktober. „Damit adressieren wir den Einsatz in der Top-Gastronomie ebenso wie bewusstes Genusspublikum“, so das Weingut.

Wir haben einen Favoriten

Wir durften Proben aus beiden Linien verkosten. Unser absoluter Favorit, der hohen Ansprüchen auch bei der Essensbegleitung gerecht wird, war der „Lemon Thyme“ aus der Fieldblend-Linie Ferments: Er erinnert ein wenig an einen salzig-frischen Sekt mit Zitrusnoten, ist dabei aber dennoch cremig und würzig. Wir haben ihn zu Pasta mit heller Soße genossen und waren überrascht von dem Geschmackserlebnis, das die Inhalte – Traubensaft, Kräutertees, Weiße Beete, Zitronenthymian und Ingwer – nicht so unbedingt erwarten lassen: ein echter Wow-Effekt, mit 17 Euro allerdings auch nicht ganz günstig. Die Weinqualität neu interpretieren – diesen vom Weingut selbst formulierten Anspruch wird der „Lemon Thyme“ gerecht.

Fieldblends sind über das Weingut Leiner sowie über ausgewählte Fachhändler und Gastronomiepartner erhältlich. Weitere Informationen gibt es unter www.weingut-leiner.de

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