Wein und Wandern – vom Glück, Pfälzer zu sein

Alsterweiler Kapelle Maikammer.
An der Alsterweiler Kapelle in Maikammer mit der historischen Rebanlage beginnt der Weinlehrpfad „Mandelhöhe“. (Foto: Pfälzer Weinblog)

Von Alexander Sperk
Der frühere Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert hat einmal ein Buch mit dem wunderbaren Titel „Vom Glück, Franzose zu sein“ geschrieben. Irgendwie muss ich oft daran denken, wenn wir im Pfälzerwald unterwegs sind oder bei einer Schorle irgendwo am Haardtrand sitzen und in die Rheinebene schauen. Denn wir haben auch wirklich viel Glück, das Glück in der Pfalz leben zu dürfen. Glück, weil wir beide hier einen Job gefunden haben und in einer der schönsten, vielleicht sogar der schönsten Gegend Deutschlands bleiben konnten. Der Wein und die tolle Landschaft mit Wald und Reben sind wichtige Pfeiler dieses Glücks. Warum also nicht beide verbinden und bei einer Wanderung oder einem längeren Spaziergang mal nicht die übliche Schorle trinken, sondern einfach einen Lieblingswein mitnehmen?

Vorschlag 1: Rastplatz mit Aussicht

Die Tour: An der Alsterweiler Kapelle in Maikammer beginnt der etwa 2,5 Kilometer lange Weinlehrpfad „Mandelhöhe“, der über zwölf verschiedene Rebsorten informiert. Schon die Kapelle ist nicht nur wegen ihres Altars, der zu den wenigen erhaltenen spätgotischen Tafelmalereien der Pfalz zählt, sehenswert. An ihrer Rückseite wurde eine ebenfalls sehr interessante historische Rebanlage angelegt. Der Weg führt dann Richtung Haardtrand zum Teil über den „Wanderweg Deutsche Weinstraße“. An der allerschönsten der vielen schönen Stellen wurde ein fulminanter Rastplatz angelegt mit fünf Tischen, Felsunterstand, lauschigen Plätzen an Bäumen – und mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Südseite des Hambacher Schlosses und die Rheinebene mit dem Speyerer Dom.

Unterwegs auf dem Rebsortenwanderweg Mandelhöhe.
Der Rebsortenwanderweg Mandelhöhe bietet spektakuläre Ausblicke. (Foto: Pfälzer Weinblog)

Die Weine: Warum nicht mal wieder einen trockenen Muskateller genießen? Je nach Außentemperatur bedarf es dafür lediglich eines Rucksacks und einer Kühlmanschette, um den Wein zu dem Rastplatz mit der grandiosen Aussicht zu bringen. Ich mag ja den trockenen Muskateller von Bassermann-Jordan, der allerdings knapp jenseits der 10-Euro-Marke liegt. Etwas günstiger (7,80 Euro) ist der ebenfalls wunderbare trockene Muskateller des Maikammerer Weinguts Dengler-Seyler. Wenn es eine Scheurebe sein soll, dann führt kein Weg am Weingut Weegmüller aus Neustadt-Haardt vorbei.

Vorschlag 2: Ab in den wilden Westen

Die Tour: Die Pfalz – das ist nicht nur die Rheinebene mit Gemüsanbau und Wein. Auch West- und Nordpfalz haben ihre Reize. Im Herzen des Pfälzerwalds bei Trippstadt etwa liegt das fast schon märchenhafte Karlstal. Dort hat Stadtplaner und Landschaftsarchitket Friedrich Ludwig von Sckell (1750-1823) seine Spuren hinterlassen. Er war einer der größten Gartenkünstler seiner Zeit. Zu seinen Meisterstücken zählen beispielsweise die Umgestaltung des Nymphenburger Schlossgartens und die Anlage des Englischen Gartens in München. Auch an den Trippstadter Schlossgarten hat von Sckell Hand angelegt. Wer Zeit mitbringt, kann den zwölf Kilometer langen Rundweg nehmen, der von Trippstadt über den Schlossgarten und Burg Wilenstein durch die Karlstalschlucht führt. Wer mehr Lust auf einen kleinen Spaziergang hat, der kann die Schlucht auch direkt anfahren und entlang der Moosalbe, die durch das Karlstal plätschert, flanieren. Eine Pause empfiehlt sich in dem fast schon märchenhaft anmutenden Pavillon aus Holz, der mitten auf dem Weg steht.

Karlstal.
Fast schon märchenhaft: der Pavillon in der Karlstalschlucht. (Foto: Telford – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36266980)

Die Schaumweine: Angesichts dieser Umgebung von überschäumender Schönheit drängt sich ein Schaumwein geradezu auf. Ich musste sofort an den Sauvignon-Blanc-Sekt des Neustadters Oliver Zeter denken (um die 13,50 Euro), als wir in dem Pavillon standen. Oder an den Reserve Brut (Chardonnay & Weißburgunder) des Deidesheimer Weinguts Reichsrat von Buhl (um die 16 Euro).

Vorschlag 3: Terrassen und Terroir

Der sonnige Spätsommer hat dem Jahrgang 2011 gutgetan. Auch in den Lagen Königswingert und Fuchsmantel zwischen Wachenheim und Bad Dürkheim
Das Kaffeemühlchen thront mitten in der Terassenlage Fuchsmantel. (Foto: Pfälzer Weinblog)

Die Tour: Fast schon majestätisch thront das Kaffeemühlchen über der Weinlage Fuchsmantel zwischen Bad Dürkheim und Wachenheim. Selbst auf einem der für mich schönsten Weinetiketten der Pfalz ist der Flaggenturm, wie das Türmchen eigentlich heißt, verewigt: auf dem des Bad Dürkheimer VDP-Weinguts Karl Schaefer, das viele Parzellen der herrlichen Terrassenlagen im Fuchsmantel besitzt und bewirtschaftet. Der kleine Turm ist aber nicht nur ein idealer Platz, um die Aussicht auf die Rheinebene, Bad Dürkheim und den Pfälzerwald mit einem oder ohne ein Glas Wein zu genießen, sondern kann auch Ausgangspunkt, Endpunkt oder Zwischenstopp einer Wanderung oder eines Spaziergangs sein. Zum Beispiel einer Wanderung vom Weinstraßenfenster zwischen Bad Dürkheim und Wachenheim hoch zum Kaffeemühlchen, dann über den Mundhardter Hof nach Wachenheim, dort auf den Mittelberg bis hoch zum Hexenstein, der sich für eine kurze Rast anbietet. Dann entweder zurück zum Weinstraßenfenster (insgesamt vielleicht so 6-7 Kilometer) oder weiter durch die tollen Rieslinglagen Forsts in Richtung Deidesheim. Eine echte Weinwanderung.
Der Wein: Den Wein inmitten der Lage zu verkosten, aus der er stammt, hat etwas, finde ich. Also bietet sich für einen Umtrunk auf dem Kaffeemühlchen ein Riesling aus dem Fuchsmantel an. Der Dürkheimer Winzer Daniel Aßmuth versteht es, der Lage charakteristische Rieslinge zu entlocken, die trotzdem eine eigene Handschrift tragen. Und die ist kompromisslos trocken und filigran (zwischen 11 und 15 Euro ab Hof, je nach Wein). Ein anderer Geheimtipp ist der Wachenheimer Winzer Jürgen Zimmermann, dessen Fuchsmantel-Riesling (9,80 Euro ab Hof) ich ebenfalls nur empfehlen kann. Und natürlich lohnt sich ein Besuch beim Weingut Schaefer – nicht nur wegen des Etiketts, sondern zum Beispiel wegen des Quetschenbaum-Rieslings. Natürlich aus dem Fuchsmantel.

Das Kleingedruckte: Der Text ist unser Beitrag zur Ersten Pfälzer Blogparade, die die Landauerin Petra Hirsch initiiert hat. Alle bisher erschienenen Beiträge hat sie hier gesammelt. 
Anregungen für die beschriebenen Touren habe ich mir bei der Serie „Drinnen oder Draußen? – die Weinwanderer“ geholt, die ich gemeinsam mit meinem Kollegen Rolf Schlicher in der RHEINPFALZ geschrieben und gestaltet habe.

6 comments:

Sehr schön, Alexander. Trippstadt und Umgebung setze ich gleich auf meine Liste der Orte, die ich einmal besuchen möchte. Danke!

In der Tat: sehr schöne Touren, lieber Alexander. Danke für diesen unterhaltsamen Beitrag.

Wir werden das eine oder andere sicher „nachwandern“. Und haben damit auch neue Empfehlungen für unsere Freizeitgäste.

Auch deine Weinempfehlungen klingen verlockend. Die werden wir sicher mal probieren.
Am Liebsten, gemeinsam. Es wäre doch schön, wenn wir es schaffen, möglichste viele Blogger von unserer Parade im neuen Jahr zu einem Treffen zu bewegen. Netzwerken. Persönlich Kennenlernen. Austauschen. Genießen.
Ich gehe das mal an….

Liebe Grüße
Petra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.