1918: Top-Riesling zum Jubiläum

Von Alexander Sperk

Große Lage: der Pechstein.
Der Pechstein drückt dem Jubiläumsriesling seinen Stempel auf. (Foto: Pfälzer Weinblog)

Das Jahr 1918 zählt zu den bedeutendsten der Weltgeschichte, markiert es doch das Ende des Ersten Weltkriegs und damit verbunden weitere wichtige Zäsuren wie die Ausrufung der Weimarer Republik. Als auf den Schlachtfeldern noch die Waffen sprachen und die Soldaten starben, wurde im Mai 1918 der Forster Winzerverein gegründet. Er sollte sich zu einem Erfolgsmodell entwickeln.

Doch zuvor sollte die Genossenschaft die Höhen und vor allem die Tiefen der deutschen Geschichte seit Ende des Ersten Weltkriegs mitmachen. Hyperinflation, Weltwirtschaftskrise, Nazi-Zeit, wieder Krieg. All das haben die Forster Winzer auf ihrer Website dargestellt, teilweise mithilfe von Originalquellen. Aber auch der Aufschwung seit den 1950er-Jahren wird ausgiebig beschrieben. Sehr spannende Lektüre, auch über den Rand des Weinglases hinaus. Mittlerweile hat sich die Genossenschaft zu einem Top-Erzeuger entwickelt – vor allem von Riesling. Was angesichts der brillanten Lagen rund um den Ort auch kein Wunder ist. Dennoch sind die Forster Winzer preislich auf dem Boden geblieben, was sie für uns zu einem der Geheimtipps in der Region macht.

Cuvée aus den besten Rieslinglagen der Pfalz

Zum Jubiläum hat die Winzergenossenschaft einen Wein gefüllt – natürlich einen Riesling. Genauer eine Lagencuvée aus den Forster Lagen Musenhang, Ungeheuer und Pechstein. Alle drei zählen für mich zu den besten Rieslinglagen der Pfalz. Der Jubiläumsriesling gefällt mit seiner Kraft, aber auch seiner Frische und der ausgeprägten Länge. Die Fruchtaromen erinnern an Pfirsich, reifen Apfel und gelbe Früchte. Dazu diese unverkennbare Feuerstein-Note, wie sie Weine haben, bei denen Pechstein-Rielsing im Spiel ist. Für 8,50 Euro eine klare Kaufempfehlung!


Aber zurück zum Einstieg: Klar, ist es toll die Jubiläumsfüllung der Forster Winzergenossenschaft trinken zu dürfen. Oder Weine – wie im Sommer bei Bassermann-Jordan – zu probieren, die zu Zeiten der Weimarer Republik gekeltert wurden. Aber es ist mehr als das: Es ist ein Privileg. Vielmehr aber ist es ein Privileg, in einem vereinten Europa leben zu dürfen, in dem man Kriege nur aus Erzählungen der Großväter oder aus den Nachrichten kennt. Das ist eine Errungenschaft der EU, die in der Zeiten von Populisten a la Orban oder in Zeiten des Brexit leider oft vergessen wird. Dabei ist sie wichtig. Sogar lebenswichtig.

Wein: 1918, Cuvée aus verschiedenen Riesling-Lagen; Winzergenossenschaft: Forst; Jahrgang: 2017; Alkoholgehalt: 13 % Vol. ; Preis: 8,50 Euro; Internet: forster-winzer.de

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