Zeitreise mit Bürklin-Wolf

Bürklin-Wolf
Kellermeister bei Bürklin-Wolf: Nicola Libelli. (Foto: Weingut Bürklin-Wolf)

Von Alexander Sperk

In den neuen Ausgaben der großen Weinführer Gault & Millau und Vinum wird das Weingut Dr. Bürklin-Wolf in der Kategorie Weltklasse geführt. Und es gibt noch einen anderen Grund zu feiern für die Wachenheimer. Denn eine Säule der Weinphilosophie von Bettina Bürklin-von Guradze hat 2019 25. Jubiläum gefeiert: die Klassifikation der Lagen und damit der Weine in Anlehnung an das burgundische Vorbild. Grund genug für uns, nochmal auf eine bemerkenswerte Verkostung im November 2019 zurückzublicken.

Vorbild Burgund

Für die Chefin des Weinguts war die Umstellung auf eine Klassifizierung nach dem Vorbild des Burgund ein naheliegender Schritt, denn die Region ist der Pfalz sowohl klimatisch als auch landschaftlich nicht unähnlich. Doch vor allem produzieren die Winzer dort Weine von Weltruf – dieses Ziel verfolgt auch das Wachenheimer Weingut mit seinen Rieslingen. Bei der Klassifizierung habe man sich auf eine Katasterkarte aus dem Jahr 1828 gestützt, erzählt Bettina Bürklin-von Guradze bei einer Verkostung für Fachjournalisten. Für die besten Lagen erhoben die königlich-bayrischen Behörden die höchsten Steuern. 1994 wurde der erste Grand Cru gefüllt – aus der Lage Ruppertsberger Reiterpfad. Die weiteren Mittelhaardter Spitzenlagen folgten.

Biodynamie als Werkzeug

Mit der Umstellung auf Biodynamie, die 2005 begonnen und 2008 abgeschlossen wurde, fußt die Philosophie des Weinguts auf einer weiteren Säule. „Für uns ist der biodynamische Weinbau ein Gesichtspunkt der Qualität. Wir haben viel Anerkennung bekommen und werden auch in Zukunft keinen Funken von unserer Qualitätsphilosophie abrücken“, sagt Bürklin-von Guradze. Selbst wenn das bedeutet, dass es jahrgangsbedingt einmal keine Spitzengewächse geben sollte. Ein weiterer Baustein der Philosophie ist das Bekenntnis zu gereiften Rieslingen. „Es ist nicht selbstverständlich, dass wir hier Weine produzieren dürfen, die reifen sollen, die nicht sofort da, kein Blockbuster sind“, sagt Kellermeister Nicola Libelli. Das Reifepotenzial der Spitzengewächse zeigte sich bei der Verkostung von sechs Weinen der Jahrgänge 1994 bis 2016 aus dem Ruppertsberger Reiterpfad.

Reise durch 25 Jahre Reiterpfad

2016: Das „Baby“ bei der Verkostung präsentierte sich noch etwas verschlossen, allerdings bereits jetzt mit gelben Fruchtnoten, viel Würze und feiner Mineralität.

2014: Das Wetter in diesem Jahr bringt die Winzer noch heute ins Schwärmen. „2014 war ein Jahr mit Sonne und Regen in optimaler Balance“, schreibt das Weingut Bürklin-Wolf in seinen Aufzeichnungen. Die Weine seien geprägt durch eine hohe physiologische Reife, perfekte Säure und eine kühle, fein verwobene Frucht. Schon jetzt ein toller Wein.

2002: „Balancierte Größe“ – unter dieses Schlagwort fasst Bettina Bürklin-von Guradze diesen Wein. Der Jahrgang 2002 werde wahrscheinlich als großer Qualitätsjahrgang in die Geschichte eingehen. Laut den Bürklin’schen Aufzeichnungen könnte er in einer Reihe mit 1911 und 1949 stehen und den großen Jahrgang 1990 wohl noch übertreffen. Der Wein zeigt sich sehr opulent, aber gleichzeitig mit einer schönen Balance aus Süße und Säure. Auf der Zunge erinnern seine Aromen nicht zuletzt an exotische Früchte.

2001: „Ein Wein für die Ewigkeit“, sagt Bettina Bürklin-von Guradze über diesen Riesling. Das Potenzial des Jahrgangs für große Gewächse von langer Lebensdauer sei unverkennbar. Auffällig der Duft nach Mirabelle, etwas Minze und reifen Stachelbeeren. Dazu ebenfalls opulent, aber nicht breit, sondern feingliedrig.

1999: Der verregnete Herbst zwang die Winzer dazu, bei der Lese stark zu selektieren. Die konsequente Auslese führte aber zu sauberen Weinen, die eher schlank daher kommen. Der Wein ist schön cremig, seine Aromen erinnern unter anderem an Zitrus, Limette und reife Äpfel.

1994: „Ein Bilderbuchjahrgang mit sonnigem Frühjahr und Sommer“, heißt es in den Aufzeichnungen von Bürklin-Wolf zu dem ältesten an diesem Nachmittag verkosteten Wein. Im Oktober konnten gesunde und reife Beeren gelesen werden. Der Riesling zeigt sich altersbedingt in etwas kräftigerer Farbe im Glas, bemerkenswert ist das spannende Zusammenspiel von beeindruckender Würze, Frische und Säure. Es war der erste Grand Cru aus dem Reiterpfad.

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