
Von Alexander Sperk
Mehr als 1000 Weine von 167 Winzern und Genossenschaften, über 3700 Besucher, tolles Wetter in einer der schönsten Städte der Pfalz: Auch die fünfte Auflage von Wein am Dom in Speyer ließ kaum Wünsche offen. Aus kulinarischer Sicht stand die Rebsorte des Jahres in der Pfalz, der Weißburgunder, im Blickpunkt. Entsprechend war die Domstadt am ersten Aprilwochenende ein Dorado für Weißburgunder-Freunde: Viele Winzer hatten mindestens einen Pinot Blanc dabei, entsprechend groß war die Bandbreite zwischen Historischem Museum der Pfalz, Friedrich-Spee-Haus, Historischem Rathaus, Altem Stadtsaal, Galerie Kulturraum und dem Kulturhof Flachsgasse.
Auch wir haben einen Schwerpunkt unserer kleinen Tour am Sonntag auf Weißburgunder gelegt und sind zum gleichen Ergebnis gekommen wie eine Fachjury, die den 2015er Weißburgunder vom Alzheimer Klingelwingert des Ilbesheimer Weinguts Kranz zum besten von 85 trockenen Weißburgundern kürte. Ein unheimlich schmelziger, nussiger und gleichzeitig eleganter Wein mit feinen Fruchtnuancen, der zeigt, was in der Pfalz in Sachen Weißburgunder möglich ist. Einfach klasse. Doch auch abseits der großen Namen, zu denen Kranz mittlerweile in der Pfalz gehört, gab es einige feine Pinot Blancs zu entdecken. Wie beispielsweise den 2016er Weißburgunder des Weinguts Richard Rinck (Heuchelheim-Klingen) aus der Lage Mörzheimer Pfaffenberg, der mit acht Euro ein tolles Preis-Genuss-Verhältnis aufweist.
Für den Pfälzer Weinblog brachte Wein am Dom 2017 eine Premiere: Wir haben das Genuss-Magazin VielPfalz erstmals bei der Ausrichtung eines Workshops zum Thema Verkosten unterstützt. Hat viel Spaß gemacht. Verkostet haben wir unter anderem einen Spätburgunder des Winzervereins Deidesheim (Jahrgang 2015), der mich überrascht hat, schließlich ist Deidesheim nicht unbedingt für seine Rotweine bekannt: rund, fast samtig, schöne dunkle Frucht – so präsentiert sich der im Holzfass gereifte Wein.

Zwischen den Workshops und danach war natürlich Zeit für eine kleine Tour zu den insgesamt sechs Messeorten. Natürlich konnten wir nur einen Bruchteil der Weine probieren, entsprechend subjektiv fallen unsere Beobachtungen aus. Gefreut hat mich beispielsweise, endlich die „Vins Naturels“ des Kirchheimer Weinguts Benzinger im Glas haben zu können. Es spricht für den Ecovin-Betrieb, außer den „normalen Weinen“ auch seine Orange- und Naturweine zu der Weinmesse mitgebracht zu haben, die ja doch etwas abseits des Mainstreams liegen. Probiert habe ich zwei Orangeweine, einen Silvaner (Picardou Blanc) und einen Pinot Blanc. Vor allem der Orange de Pinot Blanc zeigte ein unglaublich intensives Aroma. Gleiches gilt für einen Riesling, der ebenfalls komplett ungeschwefelt gemacht wurde und als „Vin Naturel“ vermarktet wird. Auch wenn solche Weine wahrscheinlich über eine kleine Fangemeinde nicht hinauskommen werden: Weinfreunde sollten ein solches Weinerlebnis einmal ausprobieren und sich selbst ihre Meinung zu Orange- und Naturweinen bilden – und das Kirchheimer Weingut Benzinger ist eine sehr gute Adresse dafür.
Zurück in klassischeren Gefilden hat uns einmal mehr der Riesling vom Rotliegenden des Weinguts Wolf aus Birkweiler aus der Top-Lage Kastanienbusch überzeugt. Der spontanvergorene Wein ist sehr körperreich, aber nicht plump, die Fruchtaromen erinnern an Pfirsich, Aprikose und reifen Apfel, dazu viel Kräuter und etwas Salz. Immer wieder eine Empfehlung wert in der Kategorie unter zehn Euro.
Der pfiffigste Slogan für einen Wein dürfte auf das Konto des Nussdorfer Weinguts Emil Bauer und Söhne gegangen sein: „Make Müller Great again!“ haben die beiden Brüder auf das Etikett ihres fruchtig-süffigen Müller-Thurgau geschrieben. Mit diesem Wein ebenso wie beispielsweise ihrer roten Top-Cuvée „Meisterstück“ zeigen die Nussdorfer aber auch, dass hinter ihren Weinen viel mehr steckt aus originelles Marketing und flotte, zuweilen provokante Sprüche. A propos Rotwein: Die Cuvée Fourplay des Immengarten Hofs aus Maikammer hatten wir in den vergangenen Monaten immer mal wieder im Glas, in Speyer haben wir jetzt auch den großen Bruder, die Cuvée Cupido kennengelernt. Der Name besteht aus den Anfangsbuchstaben der verwendeten Rebsorten Cabernet Cubin, Pinot Noir und Cabernet Dorsa. Ein dunkler und kräftiger Rotwein, der sicher gut zu Wild oder einem Rumpsteak passt. Auch hier stimmt das Preis-Genuss-Verhältnis absolut. Unsere kleine Tour haben wir mit zwei Rotweinen des Weinguts Hanewald-Schwerdt (Leistadt) ausklingen lassen: einem feinen St. Laurent und einem tollen Spätburgunder vom Kalkriff. Doch davon bald mehr auf dem Pfälzer Weinblog.
